Predigt zum ZOOM Gottesdienst vom 24.05.2020

Liebe Gemeinde!

Ich habe am Freitag einen neuen Bund geschlossen. Das moderne Wort dafür ist wohl Vertrag. Unser Leben besteht aus Verträgen, sie regeln viele Bereiche. Nachdem ich am Mittwoch in unserer Presbyteriumssitzung sozusagen rausgeflogen war, weil die Internetverbindung zusammenbrach, und das als Vorsitzender mit allen Unterlagen, fand ich am Freitagmorgen Hilfe. Die Beraterin eines bekannten Unternehmens versorgte mich kurzfristig mit 250 mbit Datengeschwindigkeit. So hoffe ich, dass wir heute für diesen Zoom-Gottesdienst zusammenbleiben können. Ich habe also einen neuen Vertrag, der mich hoffentlich vor Problemen bewahrt und die Arbeit am PC, die ja künftig immer häufiger wird, leichter macht.

Natürlich muss ich ein paar Euro dafür bezahlen, denn bei einem Vertrag gehen beide Seiten eine Verpflichtung ein. Denken wir an Kaufverträge, Mietverträge, Arbeitsverträge oder auch Eheverträge. Viele Verträge werden schriftlich fixiert. Andere gelten per Handschlag oder mündlich. Ich habe unsere Konfirmanden gefragt, welche Verträge für sie gültig und wichtig sind. Auch wenn sie alle noch nicht 16 sind – Verträge gibt es schon. Wir hören, was Colin, Felix, Katharina, Lavinia, Mia, Tim und Wolfram in ihrem jungen Leben schon alles unterschrieben haben:

„Ich habe einen Vertrag mit meinen Freunden, dass wir zu einander stehen und niemanden mobben“.

„Ich habe einen Vertrag mit meinen Eltern, dass ich mich um die Tiere kümmere und dass mein Zimmer überwiegend ordentlich ist.“

„Ich habe einen Vertrag mit meiner Klasse, dass ich mich an die Regeln halte.“

„Ich habe den Vertrag mit meiner Mutter, dass ich täglich nur eine Stunde zocke.“

„Ich habe den Vertrag mit meiner Mutter, dass ich im Haushalt helfe.“

„Ich habe den Vertrag mit meinen Freunden, dass man respektvoll miteinander umgeht.“

„Ich habe einen Vertrag mit meinen Eltern, dass ich zur Schulzeit um 21 Uhr ins Bett gehe.“

Das gilt alles in eurem Leben – mehr oder weniger freiwillig. Doch wer hätte gedacht, dass man einen Vertrag mit dem Staat – die Schulpflicht  – einmal liebend gerne erfüllen würde. Am 8.Juni geht es endlich wieder los für euch. Dann gelten wieder die Klassenverträge – nicht herumlaufen, melden usw. – und zusätzlich neue Verträge, die wir alle jetzt bestens kennen: 1,5 Meter Abstand, Maske und dergleichen.

Im alten Israel, lange vor unserer Zeitrechnung, haben die Menschen ihren Alltag auch mit Verträgen geregelt. Das geschah sicher nicht immer schriftlich, so wie auch heute in vielen Gegenden das mündliche Wort oder der Handschlag noch etwas gelten. Das Verhältnis zwischen Menschen muss einfach geregelt werden. Darum ist auch die Bibel, vor allem im Alten Testament, aber auch im neuen, voll von Regeln, Gesetzen und Geboten. Wir kennen berühmte Vertragsabschlüsse: Zwischen Noah und Gott, zwischen Abraham und Gott. Und dann kommt es zu jenem großen und berühmten Bund, denn Gott mit dem Volk Israel schließt. Dabei spielt ein gewisser Mose eine Rolle, und zwar auf einem Berg. Gott hat Israel aus Ägypten geführt und will es ins Heilige Land bringen. Der Deal, wie man heute sagen würde, ist: Ich führe euch und ihr haltet euch an meine Gebote. Das sind dann genau zehn, und jeder Konfirmand auf Erden hat sie gelernt. Sie wurde bekanntlich in Stein gemeißelt.

Vielleicht wirken in Stein gemeißelte Verträge besonders stabil, und vielleicht sind sie auch besonders stabilisierend. Doch leider werden sie wie alle Verträge auch gebrochen. Auch eure Verträge, liebe Konfirmanden, sind nicht hundertprozentig sicher. Oder doch? Was sagen Eure Eltern, eure Lehrer? Und halten wir Erwachsenen alles, was wir versprechen?

Der Prophet Jeremia erinnert in unserem Bibelabschnitt daran, dass das Volk Israel den Vertrag andauernd bricht. Nicht nur, weil die Menschen lügen, ehebrechen und sogar töten, sondern auch und vor allem, indem sie das erste Gebot nicht halten: Du sollst keine andere Götter neben mir haben. Was setzen wir nicht alles an Gottes stelle? Wie schwer scheint es zu sein, Regeln zu halten? In der Corona-Zeit haben wir damit unsere Erfahrungen gemacht. Doch hielten sich erstaunlich viele Menschen an die Verordnungen. Sie wollten sich und sicher auch ihre Mitmenschen schützen. Kaum ist die größte Gefahr und auch die größte Angst vorüber, da gibt es Proteste.

So muss es auch in Israel gewesen sein. In der Not suchte man Gott, kaum war sie vorbei, ging es auch ohne ihn.

Was nun? Der Prophet Jeremia schreibt auf, was Gott nun vorhat. Das sagt er so:

„Ich will mein Gesetz in Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und ich will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein.“ (Jer 31,33)

Wenn das mit den Geboten nicht so gut geht – man nennt es auch Fremdsteuerung – wie wäre es dann mit Geboten, die man direkt in sich trägt? So etwas ähnliches müssen wir alle jetzt auch vollziehen. Wir müssen die Regeln verinnerlichen, um uns zu schützen: Abstand, Maske, und vor allem: Wer krank ist, bleibt zuhause!

Gott möchte bei seinem Volk auf die Steuerung von Außen verzichten und sein Gesetz direkt ins Herz schreiben. Und tatsächlich, wer in sich hineinhorcht, der findet dort etwas. Das nennt man auch Gewissen. Was hat Gott denn wohl in unser Herz geschrieben? Unsere Konfirmanden haben das nicht nur überlegt, sondern auf dem whiteboard ihrer Zoom-Konferenz notiert:

Herz

Weil Gott sich in das Herz der Menschen geschrieben hat, muss keiner mehr dem anderen sagen, was er tun soll. So sagt es Jeremia weiter:

„Und es wird keiner den andern lehren und sagen: ‚Erkenne den Herrn‘, denn es sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der Herr.“ (Jeremia 31,34)

Keine muss die andere lehren. Keiner und keine muss erklären, was gut ist und was schlecht im Leben. Sie werden vielleicht sagen: Das ist eine Utopie. Ein Blick in die Zukunft. Aber unsere Konfirmanden mussten nicht lange überlegen, was richtig und wichtig ist. Das Herz war im Nu beschrieben. Jeder weiß es doch und die meisten Menschen leben danach.

Natürlich stehen nicht alle möglichen Regeln in unserem Herzen. Darum, liebe Konfirmanden, müsst ihr in einigen Jahren z.B. in die Fahrschule gehen, um die Verkehrsregeln zu lernen. Darum müssen Rechtsanwälte Menschen beraten, die eine Erbschaft regeln oder ein Geschäft gründen wollen.

Aber ganz elementare Regeln haben wir doch im Herzen. Glaube, Hoffnung, Liebe – das geht ins Herz. Oder es kommt aus dem Herzen. Irgendwann werden wir auch die Konfirmation feiern und euch segnen, zur Not mit Abstand. Aber die Botschaft geht über 1,5 Meter direkt ins Herz: Gott will bei sein. Und wenn sich zwei Menschen trauen lassen, viele erst im nächsten Sommer, dann geht die Botschaft direkt ins Herz: Gott will, dass euer Leben gelingt.

Das ist nämlich der neue Bund, denn Gott mit den Menschen geschlossen hat. Jesus ist der Vertrag. Es gibt keinen Text. Es gibt ihn. Und ihn solltet ihr in der Kirche kennenlernen.

Damit endet der Prophet Jeremia seine Überlegungen. Wir sollen nicht die wichtigen Gebote im Herzen haben. Wir sollen ihn kennen. Es kommt eine Zeit, da werden mich alle kennen. Kleine und Große, sagt Jeremia ausdrücklich. Ich habe die Konfirmanden gebeten, zu malen, wie sie Gott kennen.

Bitte klicken Sie auf das Bild, um die Präsentation der Konfis zu sehen.

Liebe Konfirmanden, ich bedanke mich für eure Mitarbeit.

Höre meine Stimme, wenn ich rufe. So heißt der heutige Sonntag. So möchten wir am Sonntag Exaudi rufen. Herr, höre unsere Stimme. Lass wahr werden, was du dem Jeremia in den Mund gelegt hast, was wir ahnen und was in Jesus Christus wahr wurde.

Wenn wir heute am Sonntag Exaudi Zweifel haben, dass Gott wirklich alles in unser Herz gelegt hat, dann liegt das an dieser Zwischenzeit. Jesus ist gen Himmel gefahren und der Heilige Geist kommt erst zu Pfingsten. Aber dann wird alles anders werden, denn dann lehrt uns der Heilige Geist alles direkt, von Herz zu Herz.

Es gibt ein Lied, das mir sehr gut zu passen scheint. Es heißt nämlich: Auf und macht die Herzen weit. 454

Amen.

(Joachim Deserno mit den Stromberger Konfirmanden Wolfram Grewe, Lavinia Hilliger, Colin Köpsel, Mia Meffert, Katharina Merg, Felix Möbius und Tim Wilbert)

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