Schutz und Schirm vor allem Argen, Stärke und Hilfe zu allem GutenSchutz und Schirm vor allem Argen, Stärke und Hilfe zu allem Guten

Als die Epidemie immer ernster wurde, fiel mir ein Buch ein, das mir ein Freund vor Jahren empfohlen hatte: „Die Stadt der Blinden“ von José Saramago. Der Nobelpreisträger beschreibt darin die Ausbreitung einer mysteriösen Krankheit, deren Mechanismus niemand kennt und beherrscht. Innerhalb von Augenblicken erblinden Menschen. Das Buch beginnt damit, dass ein Autofahrer an der Ampel plötzlich nichts mehr sieht. Das eigentliche Thema des Buches ist die Reaktion der Menschen. Schon nach wenigen Seiten weiß man: Das wird schwierig. Zwar hilft sofort ein Passant dem erblindeten Autofahrer und fährt ihn nach Hause, doch stellt die Ehefrau bei ihrer Heimkehr fest, dass der freundliche Helfer das Auto mitgenommen hat. Weitere Seiten sind dann dem Dieb gewidmet, der selbst fassungslos ist über den Impuls zum Diebstahl, der da über ihn gekommen ist. So habe ich das Buch verstanden: Parallel zum Virus breitet sich eine moralische Epidemie aus. Später herrschen dann Gewalt und Chaos und insgesamt ist das Buch nichts für schwache Nerven.

Wie anders ist das bei uns! Eine Frau in Wien heftet einen Zettel in den Hausflur ihres Mietshauses, auf dem sie verkündet, dass sie älteren Leuten und anderen Menschen aus der Corona-Risikogruppe „unter die Arme greifen“ möchte, durch Besorgungen bzw. Einkäufe. Die Neunundvierzigjährige postet ein Foto und ruft einer Welle der Solidarität hervor. Tausende Nutzer schließen sich an. Sie selbst sei durch einen Zettel angeregt worden, auf dem ein junges Paar seine Hilfe anbot. Inzwischen hat das Phänomen einen Namen und einen eigenen Hashtag. Andere kümmern sich um Unterhaltung im Internet und dieses Problem sollte man nicht unterschätzen. Wer allein zuhause ist, braucht Ablenkung, und Familien müssen es schaffen, lange zusammen auf engem Raum zu sein. Auch Kirchengemeinden organisieren Nehmen und Geben in ihrem Gebiet und überlegen, wie sie ihre Botschaft unter den neuen Bedingungen ausrichten können. Gut, dass wir Menschen unter uns haben, die das technisch können. Ich habe gestern meine erste Sitzung per Telefonkonferenz erlebt.

Gerührt haben mich Nachrichten aus Italien. Italiener singen bekanntlich gerne und so stimmen die Eingeschlossenen nun jeden Abend auf dem Balkon Lieder an, die jeder kennt. So schallt „Azurro“ durch die Straßen, ein altes Partisanenlied oder ein Schlager. Mancherorts untermalen Kirchenglocken den Gesang. Italiener umarmen sich auch andauernd, was nun gar nicht mehr geht. Anstelle der Umarmung gibt es nun täglich zur Mittagszeit einen Applaus für die Ärztinnen, Pfleger und Krankenschwestern in den überfüllten Krankenhäusern. In den Fenstern erscheinen, oft von Kinderhand gemalt, Regenbögen: Alles wird gut. (Quelle für beide Berichte FAZ vom 16.März)

Was macht eine Epidemie aus uns? Es ist möglich, dass sie uns zu guten und überraschenden Erfahrungen miteinander verhilft. Schutz und Schirm vor allem Argen, Stärke und Hilfe zu allem Guten wünschen wir uns in einem alten Segen. Möge es bald und für alle Schutz geben. Gott möchte uns aber jetzt schon zum Guten stärken und helfen.

Die vorläufig letzte Taufe haben wir kürzlich mit dem Taufspruch aus dem 2.Timotheusbrief, Kapitel 1, Vers 7 vollzogen: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“

Wünschen wir das einander!

Herzliche Grüße, Ihr Pfarrer Joachim Deserno

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